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12.04.2026 10:00 - Uhr

Chansons zwischen Poesie, Politik und Theater

Wer Georg Clementi und Ossy Pardeller als Clempanei auf der Bühne erlebt, betritt eine Welt, in der Chanson, Theater und literarische Eleganz zu einem einzigartigen musikalischen Menü verschmelzen. Ihr aktuelles Programm ist kein musikalisches Alltagsgericht, sondern ein mehrgängiges Festmahl für Ohren und Sinne – serviert mit den feinsten Zutaten: Clementis preisgekrönte, poetisch-politische Texte, Pardellers virtuose, klangreiche Gitarrenarrangements und einer Prise theatralischem Witz, der mal zart, mal beißend daherkommt, eine Poesie, die keine Grenzen kennt.

Clementis Texte sind wie ein Spaziergang durch Europas Sprachen und Landschaften: Sie wechseln mühelos zwischen Hochdeutsch, Italienisch und Südtiroler Dialekt, erzählen von Liebesgeschichten, die trotz Ironie unter die Haut gehen, und packen politische Themen in Bilder, die nachhallen. Ob in „Hass macht hässlich“ oder im „Lied eines Soldaten“ – hier wird nichts platt serviert, sondern mit der Eleganz eines Dichters, der selbst aus der Härte des Lebens noch Poesie destilliert. Besonders berührend: „Nicht ohne Dich“, ein Lied, das wie ein Seufzer zwischen den Lebenswelten schwebt. Mit dem Titelsong der neuen CD „Leben muasch“ macht Clementi den emotionalen Sack endgültig zu und „Mach dir keine Sorgen“ wird als zweite Zugabe zur tröstlichen Lebensweisheit, vorgetragen mit einem Augenzwinkern, das jede Sentimentalität vermeidet.

Pardellers Gitarre dazu ist kein Begleitinstrument, sondern ein ganzer Kosmos. Mal klingt sie nach den weiten Landschaften von Element of Crime, mal nach der dramatischen Tiefe von Reinhard Mey, dann wieder nach dem Chanson-Esprit von Jacques Brel – neu interpretiert und ins Jetzt übertragen, wie etwa bei den seltenen, aber umso eindrucksvolleren Covers. Die Clempanei braucht keine aufwendige Bühnenshow: Mit zwei Stimmen, einer Gitarre und einer Portion schauspielerischer Präsenz erschaffen sie ganze Welten. 

Dass hier auch die Handschrift des Theatermachers im Spiel ist, merkt man sofort. Clementi inszeniert die Lieder mit dramatischem Gespür – mal als persönliches Duett, mal als humorvolle Szene, die das Publikum zum Lachen und Nachdenken bringt. Und wenn Ossy allein auf der Bühne bleibt, weil Georg ins Publikum singen geht, kennt die Intimität, die fast alle Songs ausmacht, keine Grenzen mehr. Die Clempanei kocht, wie man in Südtirol sagt, mit „lei guats Zeug drin“. Ihre Musik ist anspruchsvoll, ohne elitär zu wirken, unterhaltsam, ohne oberflächlich zu sein. Sie schlagen eine Brücke vom Gardasee über Bozen und die Dolomiten bis nach Wien und wer weiß wo überall auch noch – und nehmen ihr Publikum mit auf eine Reise, die nach mehr schmecken lässt.

Wer die Clempanei hört, versteht, warum Chanson mehr ist als nur Musik. Es ist Literatur, Theater und Lebensgefühl in einem – serviert von zwei Künstlern, die ihr Handwerk lieben und es mit Leidenschaft und Esprit zelebrieren. Ein Konzert, das man niemals verpassen sollte und ein Muss für Chanson-Liebhaber und alle, die Musik mit Tiefgang und Charme schätzen.

(lf)